Jean Webster: Daddy-Long-Legs

Vor kurzem war ich mit meinen Eltern bei einem BücherBrunch in einer wunderschönen Buchhandlung, in die ich weit öfter gehen sollte. Denn sie führen ganz bezaubernde Bücher und weichen in ihrem Programm von den gängigen Ketten ab. So kann man tolle Bücher auch von kleineren Verlagen kennen lernen.
Während des Bücherbrunches wurden wir nicht nur mit allerhand Leckereien versorgt, es wurden auch sehr viele interessant klingende Bücher vorgestellt. Insgesamt haben wir zu viert dann 10 Bücher gekauft. 9 davon wurden auf dem Bücherbrunch vorgestellt und eines habe ich beim Stöbern entdeckt. Zwei von den 9 mussten wir bestellen, da sie schon ausverkauft waren. Von einem der bestellten Bücher möchte ich nun hier schwärmen, denn ich bin wirklich glücklich dass ich es noch bestellt habe.

Inhalt

Jerusha ‚Judy‘ Abbot wächst zu Beginn des 20.Jahrhunderts (meine Schätzung) als Waise in einem Waisenhaus auf. Kurz bevor sie das Heim verlassen muss, da sie mit ihren 18 Jahren nun langsam wirklich viel zu alt dafür wird – normalerweise verlassen die Kinder mit 16 das Waisenhaus, doch aufgrund ihrer hervorragenden schulischen Leistugen darf Judy zwei Jahre länger als gewöhnlich bleiben und einen höheren Abschluss anstreben – erfährt Judy, dass einem der Sponsoren/Wohltätigen eine ihrer Geschichten so gut gefallen hat, dass er ihr einen Aufenthalt in einem College ermöglicht. Einzige Bedingung: Sie schreibt ihm monatlich einen Brief, in dem sie aus ihrem Leben am College berichtet. Seinen Namen erfährt sie dabei nicht. Sie soll ihn mit John Smith ansprechen (Hand hoch, wer dabei noch sofort an Doctor Who denken muss!) John Smith ist ihr allerdings als Name viel zu unpersönlich, also nennt sie ihn liebevoll ‚Daddy-Long-Legs‘. Als er das Waisenhaus nach seinem Besuch verließ, erhaschte sie einen kurzen Blick auf ihn und Judy blieben besonders seine langen Gliedmaßen in Erinnerung, weshalhalb sie ihm diesen Spitznamen gibt. ‚Daddy-Long-Legs ist im Englischen wohl außerdem ein anderer Ausdruck für einen Weberknecht.

 

In dem Buch erfahren wir über Judy und ihr Leben am College aus ihren Briefen an ‚Daddy-Long-Legs‘ und mir ist sie dabei sehr schnell ans Herz gewachsen. Ihre Sicht auf die Welt, das College und ihre Komilitoninnen ist so einzigartig, wie interessant. Ihr Streben nach Selbstständigkeit und ihr Einsatz für diejenigen in ihrem Umfeld, denen es nicht so gut geht ist bewundernswert. Trotz aller Ideale und sozialistischen Anwandlungen, sowie dem Frauenwahlrecht, ist sie doch ein ganz normales Mädchen ihrer Zeit, dass sich über neue Kleider und Bücher genauso begeistern kann wie über die Geschenke ihrer Verehrer, von denen es gleich zwei gibt. Für wen sie sich entscheidet verrate ich natürlich nicht. 😉
Obwohl in seiner Zeit verhaftet, hat das Buch zugleich etwas zeitloses. Und ist wohl deshalb auch immer noch so beliebt, obwohl es knapp über 100 Jahre alt ist. Zudem hat mir das Format des einseitigen Briefwechsels sehr gut gefallen. Bisher habe ich sehr wenige Bücher dieser Art gelesen, etwas das ich Zukunft unbedingt ändern muss. Gut gefallen haben mir auch die kleinen Zeichnungen ‚Judys‘ die das Buch und ihre Briefe schmücken. Ein wirklich schönes und amüsantes Detail. Auch die humorvolle Art mit der ‚Judy‘ schreibt, gefällt mir wirklich gut. Am Ende erfahren wir dann auch noch wer ‚Daddy-Long-Legs‘ in Wahrheit ist. Doch dazu nur so viel: Obwohl ich es geahnt und auch irgendwie gehofft habe, habe ich es gleichzeitig befürchtet und mir gewünscht es bliebe am Ende der Spekulation der Leser überlassen. Denn hinter der all der Romantik hinterließ es bei mir irgendwie ein ungutes Gefühl, dass ich nicht ganz erklären kann. Gefühl beiseite – ich habe das Buch wirklich genossen und hatte beim Lesen unheimlich viel Spaß, den auch das ‚Happy End‘ nicht trüben konnte.

Wir freuen uns über Deinen Kommentar!